Gro▀angriff auf die katholischen Schule - wird Missbrauch instrumentalisiert?
Geschrieben von Tobias Heinz   
Dienstag, 2. Mńrz 2010
Eigenverantwortlicher Beitrag / persönliche Meinung von Tobias Heinz.

Was deutsche Medien leisten ist manchmal merk- meist aber mindestens denkwürdig. Einiges ist schon darüber geschrieben worden, daß abseits von Unterhaltung und Sportberichterstattung im Bereich Politik und Kultur dem Meinungsjournalismus ein immer breiterer Raum eingeräumt wird (1). Keine Informationssendung von mehr als 20 Minuten im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, in der nicht eine ausführliche Journalistenmeinung oder zumindest eine spöttische Glosse einfließt, kein Zeitungsartikel ohne wertende Adjektive, keine Fernsehbericht ohne wertende Kommentare des Sprechers.

Doch auch die Informationsanteile werden subtil gefärbt. Durch Zusammenstellung der Informationen, aber auch durch das Untermalen mit emotionaler Musik oder die zweifelhafte Auswahl von „Experten“.

Der Eindruck verfestigt sich, daß immer mehr Medien „gleichgeschaltet“ werden. Die Wiederholung immer gleicher, ja wortgleicher Phrasen und das Selektieren von Informationen werden dabei selten so gravierend offensichtlich, wie bei Themen, in denen die Medien glauben auf einen breiten, dumpfen Volkspopulismus bauen zu können. Der Aufgabe, uns Bürger durch Information, Fakten und Zahlen Orientierung zu geben, werden die Medien heute kaum noch gerecht.


Am letzten Samstag, den 28. Februar, hörte ich in Bayern 2 am Vormittag einen ausführlichen Beitrag über die die Gefährlichkeit von Verkehrsmitteln. Die Unfallstatistiken wurden hier rauf und runter analysiert. Das Flugzeug schneidet als bestes Verkehrsmittel pro zurückgelegtem Kilometer ab, rechnet man jedoch die Zahl der Reiseabschnitte (also von Halt zu Halt), hat die Bahn die Nase vorn. Berücksichtigt man allerdings die Menschen, die bei dem Versuch sterben, Gleise zu überqueren in die Statistik, sieht es für Fußgänger am besten aus. (Siehe zum Thema auch Focus Wissenschaft ) Der Beitrag schloss mit dem Hinweis, daß sich die meisten Unfälle allerdings sowieso im Haushalt ereignen.

Wenn es um die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche geht, sind derartige Betrachtungen in den Medien jedoch tabu. Über Zahlen wird nicht geredet, über Zeiträume auch nicht und wie gravierend konkrete Vorfälle waren, spielt ebenfalls keine Rolle. Bei sehr genauem Hinsehen ist die einzige Zahl, die in den Medien umgeht, meist unter der Schlagzeile „Sexueller Missbrauch Immer mehr Fälle“ (siehe Süddeutsche Online) die Zahl von etwa 150 Fällen seit den 1950er Jahren. Unter Fällen sind allerdings keine erwiesenen geprüften Vergehen zu verstehen, sondern zunächst einmal nur Anschuldigungen, denen die Kirche nun gewissenhaft nachgeht. Den Gipfel des Pseudojournalismus erklimmt der Spiegel, der titelt: „Opferzahlen bereits dreistellig“ (in ganz Deutschland seit 1950) und dann darauf hinweist, daß sich „bereits 115“ Schüler mit Anschuldigungen gemeldet hätten. (Siehe Spiegel Online)

Was ich als Vater aber eigentlich wissen will ist doch: wo gehen meine Kinder das größere Risiko ein, missbraucht zu werden. Die Schule ist ein Bereich, in dem Missbrauch häufig vorkommt, nach dem häuslichen Umfeld der zweitgefährdetste Bereich. Die Fakten sind hier trotz der jetzt bekanntgewordenen Fälle recht einfach: Tatsache ist, bei 15.000 Misbrauchsfällen im schulischen Umfeld in Deutschland pro Jahr meine Kinder in einer kirchlichen Einrichtung immer noch 35mal sicherer wären, als in einer staatlichen Schule!

Doch um solche Fakten geht es anscheined nicht. Auch nicht darum, Kindesmissbrauch in der Schule insgesamt zu thematisieren, z. B. daß im Zuge der 68er auch die Kinder „sexuell befreit“ werden sollten. (Siehe Fälle an der hessischen Odenwaldschule, Hadnews online). Die Abschaffung des Straftatbestandes des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger stand lange im Programm der Grünen und der Vorsitzende der Grünen Fraktion im europäischen Parlament berichtet selbst in seinem Buch „Der große Bazar“ über (für mein Empfinden abscheuliche) eigene erotische Handlungen mit Kindergartenkindern Frankfurt. (Siehe Grüne für Legalisierung von Kindesmissbrauch).

Daß derartige, in Art und Umfang ähnliche bzw. noch gravierenderen Fakten keine Rolle spielen, daß es also nicht um die Prävention, die Bestrafung von Tätern oder Hilfe für die Opfer geht, steht weiterhin spätestens dann fest, wenn man berücksichtigt, daß Kindesmissbrauch im Bereich des Sportes aktuell überhaupt nicht thematisiert wird. Ein Leichtathletik Bundestrainer wurde im August 2009 wegen 300 Missbrauchsfällen rechtskräftig verurteilt (Siehe BR Online) - es wurde festgestellt, daß sowohl das olympische Komitee als auch die verantwortlichen Organisatoren im Sport Missbrauch systematisch vertuschen und Trainer und Betreuer decken, wenn nur die sportlichen Leistungen stimmen - Leitlinien wie mit pädophilen Trainern umgegangen werden soll, gibt es weder vom Deutschen Sportbund noch vom olympischen Komitee. Das kommt für viele nicht überraschend, seit Trainer, die das Leben von Kindern durch Doping und zweifelhafte Trainingsmethoden massenhaft ruinierten von der Öffentlichkeit unbeachtet wieder für Medaillen für Deutschland und Werbeumsätze der Medien sorgen dürfen. (Siehe Focus Sport)

Wenn es also so offensichtlich nicht generell um aktuelle Fälle oder Aufarbeitung von Tätern, Opfern und Institutionen im Bezug zu Kindesmissbrauch geht, was bezweckt dann die aktuelle Kampagne um ca. 150 Anschuldigungen seit 1950 in katholischen Schulen und Internaten? Ich denke, es steckt ein anderes Motiv dahinter - der mediale Großangriff auf die Kirche steht im Dienste der kompletten Verstaatlichung der Erziehung unserer Kinder (Siehe Erziehungstrends - Dokumentation)

Als im letzten Jahr zum ersten Mal in verschiedenen Medien (Spiegel, Monitor, Focus) darüber berichtet wurde, daß es unverschämt sei, daß in katholischen Schulen keine Migrantenkinder islamischen Glaubens aufgenommen würden und sogar eine Bürgerinitiative gegen katholische Schulen angeschoben wurde, schwante mir, daß es von Seiten des sozial-ökologischen Kartells einen breiten Angriff gegen kirchliche Erziehung geben würde:

  • Am 18. März 2009 kommentiert die Zeit: "Qual der Schulwahl - Ist das Beste für das Kind auch das Beste für das Gemeinwesen?" Die Zeit schreibt mit Blick auf katholische Schulen / Bekenntnisschulen: "mit der Wahl der Schule wird ein Trend verstärkt, der dem Land nicht guttut: Die sozialen Gruppen driften auseinander. Der Sohn des Ingenieurs lernt die Tochter des türkischstämmigen Arbeitslosen nicht als Spielkameradin oder Mitschülerin kennen. Die Kinder verschiedener Schichten wissen nicht, wie die anderen leben, worüber sie lachen oder weinen, was sie essen, was sie sich im Fernsehen anschauen, an welchen Gott sie glauben. So kann schwerlich gegenseitiges Verständnis, die Basis für die Solidarität innerhalb der Gesellschaft, entstehen. ... der Staat hat die Bildungsungerechtigkeit an der Wurzel zu bekämpfen." (Siehe Zeit Kommentar)
  • Am 2. Juli berichtet das Fernsehmagazin Monitor, daß in Berlin Eltern ihre Kinder auf katholische Schulen geben, um vor den unhaltbaren Zuständen in Klassen mit extrem hohem Ausländeranteil zu fliehen. ("Bekenntnisschulen: Wie die katholische Kirche Integration verhindert." siehe http://www.wdr.de/tv/monitor/sendungen/2009/0702/schulen.php5)
  • Am 31. August 2009 berichtet der Spiegel sehr kritisch (SchulSpiegel) darüber, daß katholische Bekenntnisschulen moslemische Kinder nur in Ausnahmefällen annehmen.
  • Am 17. September 2009 schreibt die islamische Organisation "milli görüs" auf ihrer Website, daß "Kindern ohne Taufschein, insbesondere Muslimen, der Weg zu einer besseren Schulbildung verwehrt werde", weil sie auf katholischen Schulen nicht angenommen werden. Es wird über eine Bürgerinitiative gegen katholische Bekenntnisschulen in NRW berichtet. (Milli Görüs Website)
  • Am 18. September nimmt die Diskussion in der Szene der Migrationsbefürworter fahrt auf: „Bekenntnisschulen benachteiligen Migrantenkinder“ titelt das Migazin (Migration in Germany) (Siehe Migazin) - der Artikel wird fast wortgleich auf den Webseiten verschiedener, größtenteils mit staatlichen Mitteln geförderten sozial links-engagierter Gruppen übernommen.

In der breiten Öffentlichkeit kommt die Skandalisierung der seit Jahrhunderten bestehenden Bekenntnisschulen, insbesondere der katholischen Schulen allerdings nicht an, denn die Erkenntnis ist weit verbreitet, daß die kichlichen Schulen nicht nur kostengünstiger wirtschaften, sondern auch deutlich bessere Ergebnisse für die Kinder erzielen!

Dieser Stachel sitzt tief: daß in katholischen Schulen bessere Lernergebnisse erzielt werden, daß das kulturelle Leben dort vielfältiger ist, daß der Wechsel von Haupt- zu Real- und Gymnasialen Strängen besser gelingt und daß Kinder solcher Schulen bessere Chancen haben, weil sie motivierter und besser auf das Leben vorbereitet sind. Viele Eltern schicken ihre Kinder sogar sehr gerne auf katholische Schulen (siehe Spiegel: SchulSpiegel).

Im Rahmen der Pisa Studie war schon bewiesen worden, daß katholische Schulen nicht nur erfolgreicher sind, geringere Durchfallquoten haben und zwischen den Schularten (Haupt-/Realschule und Gymnasium) durchlässiger sind, sondern auch bei den Pisa-Studien Ergebnissen deutlich besser abschnitten. (Siehe Die Tagespost).

Zuerst schalten sich die Grünen ein. Ulrich Hemke von den Grünen aus Stade lässt verlauten: "Ich sehe erhebliche Nachteile von einer konfessionsorientierten Separierung der Kinder." Anfang Dezember lässt ein GEW Kreisvorsitzender anlässlich der Einrichtung einer konfessionellen Schule verlauten: "Wenn man eine Öffnung von Bekenntnisschulen für alle Kinder ... nicht durchsetzen und Bekenntnisschulen nicht gesetzlich abschaffen kann, muss man dafür sorgen, dass diese Schulen "ausgetrocknet" werden." (Siehe Grüne Delbrück) Die Grünen wundern sich: „Regt sich kein Widerstand gegen die Zustände? ... [es ist] unerträglich, daß die katholische Kirche ihre Pfründe weiter sichern darf. Eine politische Initiative zur Beseitigung dieses Zustands ist leider nach wie vor nicht in Sicht.“

Zu diesem Zeitpunkt hätte ich mir nicht träumen lassen, welche Formen diese „Austrocknung“ annehmen würde (tatsächlich erinnert die Berichterstattung an die sog. Klosterprozesse). Daß der Angriff des sozial-ökologischen Kartells derart schmutzige Formen annehmen würde, hätte ich niemals geahnt. Doch zu der Absicht, die kirchlichen Schulen "auszutrocknen" kommt die Gründung des "Arbeitskreises engagierter Katholiken in der CDU", die in den Medien als reaktionäre Revolte gesehen wird (siehe Die Welt 29. November 2009 - fromme Revolte in der Union. Dadurch fühlt der sozial-ökologische Komplex die erreichten Fortschritte in der Sozialdemokratisierung der Union gefährdet. Es scheint dringend geboten, Gegenmaßnahmen gegen die aufkommende Hinwendung zur Kirche zu ergreifen.

Zunächst wird im Dezember 2009 in den deutschen Medien ein Versuchsballon lanciert: 350 Missbrauchsfälle in Irland seit den 30er Jahren. Das Echo ist unerwartet groß. Der Test im Internet ergibt: Seitenweise empörte Kommentare, Blog-Posts, Zig-tausende stimmen in Online-Votings ab, Twitter quillt über. Ende Dezember meldet Google News: 679 Artikel in den online-Versionen der Zeitungen über das Thema – und keiner fragt danach, wie 300 Fälle seit den 70er Jahren einzuordnen sind. In den Medien werden die irischen Bischöfe diffamiert, aus den 300 Fällen, denen nachgegangen wird, werden in vielen Kommentaren auf einmal „Tausende von Kindern, die geschlagen, gepeinigt, vergewaltigt“ wurden (Siehe Spiegel)

Wie so oft kann die Kirche mit einem derart massiven Anwurf kaum umgehen. Als Kirche kann und will sie die Verfehlungen, die innerhalb der kirchlichen Organisation vorgekommen sind, nicht leugnen. Die Kirche ist den Opfern zugetan, denn es ist ja Teil der ursprünglichsten Aufgabe der Kirche sich um Sünde und Sünder zu kümmern! Und gerade Kindesmissbrauch kann die katholische Kirche, die in den 70ern so erbittert gegen die Propagierung der sog. „Pädosexualität“ kämpfte, nicht tolerieren.

Um den immer wieder vorgebrachten Anwürfen etwas zu vertuschen keinerlei Handhabe und Grundlage zu geben, spricht die Kirche die Fälle auch öffentlich offensiv an: der Papst in seinen Weihnachtspredigten, in Irland an Heiligabend, noch mehr Ermittler werden eingesetzt, Bischöfe treten zurück. (Siehe Tagesschau Online) Wie in der Vergangenheit immer häufiger beobachtet, kümmern sich die Propagandisten um derartige Bemühungen nicht. Wenn es Fakten gibt, die nicht zu leugnen sind, wie beispielsweise der Rücktritt der irischen Bischöfe, die damit Verantwortung übernehmen, wird dies in den Berichten durch die wertende und verletzende Ergänzung "treten widerwillig zurück" abgewertet. (Siehe Spiegel: Scheinheilige, die widerwillig zurücktreten)

Den Kommentatoren ist alles das, was getan wird immer zu wenig, zu spät, zu wenig konsquent etc. pp. - den gleichen Kommentatoren, die kaum ein Wort über die zögerliche Haltung des olympischen Komitees und des deutschen Sportbundes zum Missbrauch durch Trainer verloren haben. (Siehe RP wenn der Trainer zudringlich wird)

Der Acker ist durch die Irland-Kampagne der Medien Anfang Februar gut bereitet. Das Instrumentarium wurde ausgebreitet und die Argumente ausgetestet. Da das öffentliche Interesse an den Vorgängen in Irland unerwartet groß ist, sind die medialen Möglichkeiten vielfältig: „Sex in der Soutane“, „Unzucht im Beichtstuhl“, „Ministranten bei verbotenen Spielen in der Sakristei“. Auf die schwülen Assoziationen bei vielen Menschen, die seit Jahrzehnten keine Kirche mehr von innen gesehen haben und keinen Pfarrer persönlich kennen, ist verlass. Abscheulich ist nicht nur das Titelbild des Spiegel (Siehe Spiegel Titel), auf dem ein Bischof mit Hand im Schritt abgebildet ist, obschon bisher kein einziger Bischof persönlich angeschuldigt wurde (die Anschuldigungen beziehen sich immer darauf nicht früh genug gehandelt zu haben oder nicht konsequent genug aufgeklärt zu haben). Widerlich für mich dabei: die Agitatoren von heute bedienen sich der bereits durch die Nationalsozialisten aufgebauten sexuellen Schreckensbilder (Siehe (2) Klosterprozesse) und lassen diese wieder aufleben. (Dazu in einem alten Spiegel eine interessante Darstellung, die sich wie eine Vorlage/Drehbuch für die aktuelle Kampagne liest).

Anfang Februar öffnet das sozial-ökologische Kartell dann alle medialen Schleusen. Es ist nicht herauszufinden, wo die Fälle aus den 60er Jahren Anfang Februar 2010 auf einmal herkommen. Konsequenterweise ist es das Canisius-Kolleg in Berlin - wo die meisten Eltern vor den desolaten Zuständen der Schulen fliehen - siehe Rütli Schule und die Kirche sich erdreistet hat mit der Initiative "Pro Reli" auf dem verfassungsmäßigen Recht auf regulären Religionsunterricht zu bestehen, das als erstes Exempel hergenommen wird. Warum das Opfer aus den 60ern gerade jetzt sein Schweigen bricht, das ist nicht klar. Der Tagesspiegel schreibt: „Vielleicht aus Loyalität gegenüber der Kirche, dem Orden, der Schule, der Erziehung, sicher aber aus Scham.“ Spätestens seit die FDP klar gegen die Kirche kämpft ist klar: es geht um Entschädigungszahlungen – auch für Taten, die strafrechtlich längst nicht mehr relevant sind. Auch das Opfer aus dem Canisius-Kolleg ruft nach Geld: „M.Z. wurde am Canisius-Kolleg missbraucht. Von der Bischofskonferenz ist er enttäuscht – und fordert eine Entschädigung“ (Siehe Berliner Tagesspiegel)

Scheinheilig reiht sich auch die Partei des pädosexuellen Cohn-Bendit ein: sie fordern einen „neuen Umgang mit Missbrauchsopfern“ (siehe Focus Claudia Roth) - Merkwürdig dabei: wenn es nach dem Grünen Bundestagsabgeordneten Volker Beck gegangen wäre, wären diese Fälle in Deutschland schon garnicht mehr strafbar: er forderte die generelle Entkriminalisierung der Pädophilie „Wer für die Lebenssituation der pädohilen Menschen etwas erreichen will, muß diese Diskussion mit Aufklärung und Entmythologisierung vorbereiten [...] Eine Entkriminalisierung der Pädosexualität ist angesichts des jetzigen Zustandes ihrer globalen Kriminalisierung dringend erforderlich“ (Quelle: “Das Strafrecht ändern?: Plädoyer für eine realistische Neuorientierung der Sexualpolitik” in: Angelo Leopardi (Hg.): Der pädosexuelle Komplex, Foerster, Berlin 1988). Im Dunstkreis der Grünen tummelt sich auch Rudolf Lautmann, der ein Buch herausgegeben hat („Die Lust am Kind“) und pädophile Übergriffe auf Kinder in allen perversen Details geschildert, beschönigt und als fortschrittlich angepriesen hat. Was in den grünen und linken Kommunen der späten 60er und der 70er Jahre mit Kindern vorging – im Rahmen der „Befreiung zu Sexualität“ - wird systematisch ausgeblendet.

Doch das Missbrauchsthema ist zu vielfältig gegen die Kirche in Stellung zu bringen - es ist eine scharfe Waffe gegen die Kirche im Allgemeinen:

  • Die veraltete und überholte Sexualmoral kann thematisiert werden – viele Kommentatoren heben darauf ab, daß Kindesmissbrauch eine logische Folge dieser repressiven Sexualmoral wäre.
  • Das Zölibat kann thematisiert werden: für viele Kommentatoren führt das Zölibat direkt zu Kindesmissbrauch, auch wenn es dafür keine logische oder wissenschaftliche Begründung gibt – im Gegenteil, medizinisch werden Pädophile mit Enthaltsamkeit behandelt. (Siehe Süddeutsche über Behandlung von Pädophilen)
  • Das Beichtgeheimnis kann diskreditiert werden: wenn Erzbischof Zollitsch einschränken muß, daß er einen im Rahmen der Beichte mitgeteilten Missbrauchsfall nicht melden kann, entspricht dies dem heiligen Sakrament der Beichte – in den Medien wird dies aber als „nicht uneingeschränkte Kooperation mit den Strafverfolgungsbehörden“ verwertet. (Siehe Spiegel)

Viel zu wenig wird auch über die konkreten Vorkommnisse berichtet: wenn jetzt über Missbrauch in katholischen Schulen gesprochen wird, und über Fälle von Anfang der 70er diskutiert wird, in denen ein Pater nach dem Sport gemeinsam mit den Schülern geduscht hat, dann müsste doch eigentlich auch eine Diskussion darüber einsetzen, was die Aufklärer der 70er Jahre an Kindern verbrochen haben, als sie fast pornografisch zu nennenden Sexualkundeunterricht in die Grundschulen trugen.

Auch hier halte ich meine Kinder in kirchlichen Schulen für behüteter und geschützter als in den staatlichen Anstalten, in denen derartige Aufklärung zusammen mit dem digitalen Pornotsunami über Schulhöfe und Klassenzimmer geflutet wird.

Untersucht werden aktuell Fälle an sechs katholischen Schulen seit den 50er Jahren. Die Debatte dreht sich um sechs katholische Schulen von 1.128 katholischen Schulen insgesamt; um aktuell 150 diskutierte, noch nicht genau untersuchte Fälle in 60 Jahren bei 320.228 Schülern auf katholischen Schulen pro Jahr (Schuljahr 2002/2003 – siehe Katholische Schulen in Deutschland) - Google News gibt am 28. Februar auf die Eingabe „Missbrauch Kirche“ 5343 Nachrichtenbeiträge aus (siehe Google News Suche) – Missbrauch in Sportvereinen mit einer deutlich höheren Zahl an Opfern kommt am selben Tag auf gerade mal 42 Einträge (Google News Suche), trotz des brandaktuellen Skandals um Kanutrainer (Missbrauch Kanu Trainer unter Verdacht). Das Ziel der Kampagne ist meiner Meinung nach klar: das Ende konfessioneller Schulen zugunsten einer vollverstaatlichten Erziehung soll eingeläutet werden. Die katholischen Schulen sollen - wie letztes Jahr angekündigt - „ausgetrocknet“ werden.

(1) Tritenius schreibt: "Und da selbst sie die Untiefen im Ozean der Informationen nicht mehr überblicken, verlegen sie sich zunehmend auf Meinungsmache, ein Trend, der sich in allen Zeitungen ablesen lässt. Die Stilformen der Zeitungen verwischen, viele Berichte, die einst nur die Information darbieten sollten, enthalten Meinungsanteile. In den 90ern hat die Frankfurter Rundschau ihre Leser noch typographisch auf solche Mischtexte aufmerksam gemacht. Man setzte die Überschrift kursiv, wenn der Bericht auch kommentierende Elemente enthielt. Diese typographische Achtungsbezeugung vor der Selbstbestimmung des Lesers wirkt zehn Jahre später nur noch altmodisch." Siehe Weblog von Trithenius.

(2) Klosterprozesse - Unter dem Begriff Klosterprozesse wird ein Teil der Verfolgungspraxis der Nationalsozialisten im Dritten_Reich zusammengefasst. Gemeint ist damit die Verfolgung von katholischen Priestern, Ordensbrüdern, Laien und Mitgliedern der Bündischen_Jugend unter dem erfundenen Vorwurf der Homosexualität. Die ersten derartigen Prozesse begannen bereits 1935. Einen Höhepunkt erreichte die Verfolgungswelle 1938, als mehrere Tausend Priester und Ordensangehörige verhaftet und in öffentlichen Schauprozessen abgeurteilt wurden.

Siehe Studentenpilot Webportal.

Letzte Aktualisierung ( Sonntag, 21. August 2011 )